Markt: leichtes Rohöl Future Endlos Kontrakt (NYMEX)
Zeitpunkt der Analyse: 30.03.2025
Letzter Kurs: 69,36 USD/Barrel
Kursentwicklung im Rohöl-Monatschart
Der abgebildete Chart zeigt die langfristige Kursentwicklung des Rohöl-Futures von 2011 bis heute, bei Kursen von 69,36 USD/Barrel. Ein Notierungsstab bildet das Kursverhalten des Rohöl-Futures für jeden Monat ab.
WTI Future seit über zwei Jahren langfristig richtungslos
Aus der Perspektive des langfristigen Monatscharts befindet sich der WTI Future in der im Monatschart eingezeichneten neutralen Konsolidierungszone. Seit September 2022 pendelt das schwarze Gold in einem breiten neutralen Stauraum: Abgegrenzt wird diese Region durch die Widerstände zwischen 90 und 94 und die starken Unterstützungen zwischen 65 und 70. Erst Kurse außerhalb dieser Seitwärtsbewegung etablieren einen neuen langfristigen Trend.
Außenstab auf Quartalschart
Im Januar hat der WTI Future das Hoch des letzten Quartals aus 2024 (77,22) knapp überschritten. Doch eine entsprechende Anschlussbewegung blieb aus. Im Gegenteil, am 15. Januar setzten sich die Bären bei 78,92 an der seit September 2023 bestehenden Abwärtstrendlinie wieder durch und die Kurse fielen bis zum 05. März auf ein Bewegungstief bei 65,22. Im Zuge dieser Abwärtsbewegung wurde auch das Tief des letzten Quartals aus 2024 (66,72) unterschritten. Charttechnisch hat der WTI Future im ersten Quartal somit einen Außenstab (Outside Bar) ausgebildet.
Unterstützungsbollwerk hält wiederholt
Mit dem aktuellen Bewegungstief aus dem März bei 65,22 hat der WTI Future den tiefsten Stand seit Mitte Dezember 2023 erreicht. Parallel wurde der analytisch extrem bedeutsame Bereich erhöhter Aufnahmebereitschaft wiederholt erfolgreich getestet. Der untere Bereich der o.a. Seitwärtsbewegung zwischen 70 und insbesondere 65 hat sich in den letzten Jahren stark in den Köpfen der Investoren verankert. Während der laufenden Seitwärtsbewegung ist es in dieser Zone vermehrt zu plötzlichen Marktwendepunkten gekommen. Jedes Mal kapitulierten die Bären und die Bullen übernahmen das Zepter. So auch in diesem Fall Anfang März.
Fehlausbruch 20-Monats-Tief
Das Jahrestief vom 05. März hat das Vorjahrestief aus September 2024 (65,27) nur minimal intraday unterschritten. Derartige Situationen (20-Monats-Tief) nutzten „Swing Trader“ gerne zum Einstieg im Bereich starker Unterstützungen. Die Grundannahme dieser Trader ist, dass es in solchen Zonen häufig zu kurzen Fehlausbrüchen gegen den bestehenden Abwärtstrend kommt. Derartige Marktsituationen bieten nicht selten gute Chance-Risiko-Verhältnisse zum Einstieg gegen die laufende Marktbewegung.
Erreicht nun ein Markt ein neues 20 Monatstief, kaufen diese Spekulanten, sobald der Markt wieder über das alte 20 Monatstief steigt. Je nach Risikoneigung werden Verlustbegrenzungsstopps knapp unter das neu erreichte Bewegungstief platziert, um dem Risiko vorzubeugen, wenn es sich bei dem Ausbruch um kein Fehlsignal handeln sollte.
Wochenchart: WTI Future überschreitet Abwärtstrend
Innerhalb der übergeordneten bestehenden primären Seitwärtsbewegung hat sich aus der Perspektive des mittelfristigen Wochencharts seit Mitte Januar ein mittelfristiger Abwärtstrend ausgebildet. Der Aufwärtsimpuls der letzten drei Wochen ist aktuell noch als Korrektur innerhalb dieses Aufwärtstrends zu werten. Positiv zu beurteilen ist der bestehende Fehlausbruch (Bärenfalle) um das Bewegungstief bei 65,22 und die Tatsache, dass die seit Januar bestehende Abwärtstrendlinie überschritten wurde. Nichtsdestotrotz befinden sich alle drei Wochenschlusskurse innerhalb des „WideRange“ Bars der ersten Märzwoche zwischen 70,35 und 65,22. Nicht selten deuten Kurse innerhalb derartiger Messstäbe auf kommende neutrale Konsolidierungen hin. Per Definition braucht es vier Schlusskurse innerhalb eines Messtabes.
50- und 100-Tage-Linie als Kreuzwiderstand
Neben dem Hoch des Messstabes bei 70,35 nahen dem WTI Future mit den von mittelfristig orientierten Investoren viel beobachteten 50- und 100-Tage-Linien, welche sich aktuell fast auf dem gleichen Niveau bei 70,53 und 70,57 befinden. Schaffen es die Bullen diesen Mehrfachwiderstand zu überwinden, eröffnet sich weiteres Erholungspotential in Richtung 76 und 78.
Positiver saisonaler Zeitraum bis Anfang Juli
Aufgrund historischer Erfahrungswerte lassen sich für Aktien, Rohstoffe und Währungen statistische Durchschnittswerte berechnen.
Typische geglättete Durchschnittsverläufe zeigen von Mitte März bis Ende Juni einen signifikanten Anstieg im WTI Future. Lediglich der kurze Zwischenzeitraum von Mitte April bis Anfang Mai deutet auf eine nachlassende Aufwärtsdynamik in Form einer Konsolidierung hin, ehe es aus dieser reinen statistischen Zyklenanalyse erfahrungsgemäß zu weiteren Kurszuwächsen kommt.
Fazit:
Aus der Perspektive des langfristigen Monatscharts ist das Chartbild des Rohöl Futures weiter als neutral zu betrachten. Seit September 2022 pendelt das schwarze Gold in einem breiten Stauraum, eingekeilt in dem Bereich erhöhter Abgabebereitschaft zwischen 90 und 94 und dem starken Bereich erhöhter Aufnahmebereitschaft zwischen 65 und 70. Erst Kurse außerhalb dieser Seitwärtsbewegung etablieren einen neuen langfristigen Trend.
Aus der Sichtweise des Wochencharts befindet sich der WTI Future mit Erreichen der bestehenden Abwärtstrendlinie seit Mitte Januar in einem Abwärtstrend innerhalb der übergeordneten Seitwärtsbewegung.
Die Bären haben es wiederholt nicht geschafft, das angegebene langfristige Unterstützungsbollwerk zwischen 70 und insbesondere 65 zu unterschreiten. Neben der Verteidigung dieser bedeutsamen Zone schafften es die Bullen den WTI Future über die seit Januar bestehende Abwärtstrendlinie zu handeln. Im Zusammenhang mit der starken Saisonalität besteht berechtigte Hoffnung, dass sich die laufende Erholungsbewegung fortsetzten kann. Speziell bei Kursen über 71 ist innerhalb der übergeordneten Seitwärtsbewegung ein Anstieg in Richtung der Widerstände um die Abwärtstrendlinie zwischen 76 und 78 anzunehmen.
Bei Kursen unter 68 ist ein weiterer Kursverfall in Richtung der analytisch stark bedeutsamen Unterstützung um 65 wahrscheinlich.
Fällt Rohöl auch unter 65, verschlechtert sich das langfristige Chartbild deutlich. Bei diesem Szenario ließe sich ein weiterer Preisrutsch in Richtung 62 bis 57 als ersten Minimalkurszielkorridor ableiten.